Folgende E-Mail erhielten
wir:
An:
webmaster@725jahre-dudenhofen.de
Betreff: 725 Jahre Dudenhofen
Hallo Frau
Haller,
herzlichen Glückwunsch zu der gelungenen Internet-Seite. Toll!
Ich habe noch einen kleinen Beitrag, um den mich Herr Resch bat: Meine
Festpredigt.
Herzliche Grüße
Ulrich
Möbus, Pfr.
Ev. Kirchengemeinde Altheim
Kirchstr. 18
64839 Münster
Tel. 0 60 71/ 49 69 101
Fax. 0 60 71/ 49 69 102
Liebe
Festgemeinde,
der
Predigttext meiner heutigen Festpredigt ist eigentlich gar kein Text. Es soll
das Dudenhöfer Wappen sein. Ich möchte mit Hilfe des Wappens ein wenig, die
Dudenhöfer Geschichte auslegen und zugleich sehen, ob es uns heute noch etwas zu
sagen hat.
Unser
Wappen ist noch gar nicht so alt. Erst 1954 wurde es vom Hess. Innenminister
verliehen. Es besteht aus zwei Teilen: Im oberen Teil befinden sich drei rote
Sparren auf gelben Grund. Im unteren Teil befindet sich die sogenannte
Luther-Rose.
Zuerst
zu den Balken auf rotem Grund. Sie nehmen das Wappen der Grafen von Hanau auf,
zu denen Dudenhofen lange Zeit gehörte. Gelb ist die Farbe der sandigen Erde
Dudenhofens. Dudenhofen kann sich Besitzer einer Sanddüne bezeichnen. Die Erde
ernährte über viele Jahrhunderte die Menschen. Ein besonderes Gewächs bringt
diese Erde hervor: Den Spargel, den viele lieben. Bis vor kurzem gehörte die
Landwirtschaft zum Leben jeder Familie.
Gelb
ist auch die Farbe der Sonne und der Freude. Leidenschaftlich gerne feiern die
Dudenhöfer.
Wo der
geringste Anlaß ist, da wird gefeiert. Große Anlässe wie eine 725-Jahr-Feier
werden natürlich groß gefeiert. Man ist stolz auf sich. Ich habe viele von Ihnen
von der 700-Jahr-Feier schwärmen gehört: Das Ortsteil-Fest, bei dem überall im
Ort Menschen auf den Beinen waren. Oder den Festzug, bei dem die Geschichte
dargestellt wurde. Gefeiert wird gerne in Dudenhofen. Auf vieles ist man in
Dudenhofen stolz. Oft wurde mir erzählt, wie der unter „LK9“ bekannte
Bürgermeister Kratz damals die Ansiedelung des Opel-Prüffeldes an Land zog. 600
Menschen wollten es letzte Woche sehen. Dudenhofen geht mit der Zeit.
Dudenhofen wird in Kürze S-Bahn besitzen.
Stolz
ist der Ort auf sein blühendes Vereinsleben. Wie bunt und vielfältig das ist,
zeigte der Festumzug am Freitag oder auch das ganze Festprogramm: In Dudenhofen
ist was los. Der Leben ist bunt. Daher müsste eigentlich der Grund des Wappens
mit bunten Farben gemalt sein. So wie das Logo der 725 Jahr-Feier.
Der
tiefere Grund für das Feiern ist aber ein anderer: Nämlich der, dass wir in
Freiheit und Frieden leben dürfen. Wir leben in Freiheit, ohne dass irgendein
Landesherr den Ort samt seinen Bewohnern an einen anderen verleihen, verkaufen
oder verschenken kann. Eine so lange Zeit in Frieden und Freiheit, wie wir sie
heute erleben, hat Dudenhofen noch nicht erlebt. Und das ist Grund, richtig zu
feiern.
Aber es
gibt nicht nur sonnige Zeiten in Dudenhofen. Auf dem gelben Grund liegen drei
rote Balken. Sie sind gebrochen. Diese Balken, diese Linien erinnern mich daran,
dass unsere Lebenswege nicht immer gerade verlaufen. Manchmal werden sie auch
gebrochen. Manchmal begegnet uns Schweres auf dem Weg.
Zur
Geschichte Dudenhofens gehören auch zahlreiche Krisen. Als ich in den letzten
Wochen durch den Ort zog, kam ich an verschiedenen Häusern vorbei und musste an
die Zeit denken, als ein Feuerteufel durch den Ort ging. Viele von ihnen werden
sich noch daran erinnern, wie sie sich kaum getrauten, sich schlafen zu legen,
weil sie Angst hatten, dass ihnen das Dach über den Kopf hinwegbrennt. Sie
hatten Angst um Ihren Besitz, ja um ihr Leben.
Ein
Balken in der Dudenhöfer Geschichte war der dreißigjährige Krieg. Dudenhofen -
evangelischer Ort zwischen dem katholischen Jügesheim und Nieder-Roden – suchte
Zuflucht hinter den Stadtmauern Babenhausens. Immer wieder zogen Soldaten durch
den Ort und plünderten alles. Unzählige Male brach die Pest aus. Die Zukunft des
Ortes war gefährdet. Von ehemals 430 Einwohnern kehrten gerade mal 26 Menschen,
wieder zurück.
Als
einen weiteren Balken in der Geschichte Dudenhofens würde ich die beiden
Weltkriege bezeichnen. Die Hitler-Zeit brachte viel Leid über Familien. Viele
Männer und Väter mussten in den Krieg ziehen. Viele verloren ihr Leben. Andere
wurden vermisst. Und wieder andere kehrten erst nach langer Kriegsgefangenschaft
wieder nach Hause. Menschen starben. Zu Hause blieben Witwen zurück, die für
ihre Kinder allein sorgen mussten. Zahlreiche Kinder mussten ohne Vater
aufwachsen. Ich glaube, es wird keine Familie geben, die nicht von dieser Zeit
gezeichnet ist.
Als
einen dritten Balken würde ich den Ausstieg aus der Landwirtschaft bezeichnen.
Die einen Fuhrwagen ziehenden Kühe gehören nicht mehr zum Ortsbild. Viele von
Ihnen haben die Landwirtschaft aufgeben. Sie haben sich ein neues Feld gesucht,
um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten; sind zum Beispiel in die Lederwaren- und
in andere Industrie gegangen. Dieser Balken steht für mich für die Angst um die
Zukunft: Auch heute sorgen sich viele um ihre Zukunft. In den letzten Jahren
haben mehrere Firmen geschlossen. Dudenhöfer Menschen wurden arbeitslos. Auch
heute fürchten viele von Ihnen um ihren Arbeitsplatz. Die Angst um die Zukunft
gehört auch zu Dudenhofen.
Im
Rektor-Geißler-Buch habe ich gelesen: Vor Jahrtausend war hier einmal ein Meer.
So fühlen sich die, die um ihre Zukunft fürchten: Wie auf einem Meer: Es geht
alles drunter und drüber; man hat das Gefühl unter zugehen.
Vielen
Menschen gibt in solchen Zeiten der Glaube einen festen Halt. Dafür steht die
Luther-Rose. Eine weiße Rose mit einem roten Herzen samt Kreuz in der Mitte.
Luther gehört zur Geschichte Dudenhofens dazu. Darum findet sich die Luther-Rose
auf dem Dudenhöfer Wappen wieder. An manchen Stellen unseres Ortes finden wir
Sie am Brunnen zum Beispiel vor dem alten Schützenhof, oder in besonders schöner
Form vor unserem Gemeindehaus. Die Luther-Rose steht geradezu für Dudenhofen.
Oft habe ich erlebt, wie verbunden viele Dudenhöfer mit ihrer Kirche sind.
Freilich sind wir evangelischen heute nicht mehr allein. Ich bin froh, dass nach
dem Krieg besonders katholische Mitchristen im sogenannten Schoofloch und
anderen Neubaugebieten angesiedelt wurden. Es ist eine gute Ökumene gewachsen.
Wenn ein Dudenhöfer Bub ein katholisches „Giesemer“ Mädchen nach Hause bringt,
muß er keine Prügel mehr erwarten. Wir konnten am vorletzten Freitag ein
Backes-Fest zusammen feiern. Wir begehen gemeinsam heute einen Festgottesdienst.
Grundlage dafür kann nur der gemeinsame Glaube sein. Auf das Herz kommt es
nämlich an. Nicht auf das Haus „Kirche“ oder den Ort „Rom“, sondern auf das
Herz. Darauf, dass in unserem Herzen Christus zu Hause ist und dort regiert, so
dass wir nach seinen Geboten leben. Darum ist auch in der Luther-Rose ein Herz.
Luther schreibt über sein Wappen:
„Das
erste sollte ein Kreuz sein; schwarz im Herzen, das seine natürliche Farbe
hätte, damit ich mir selbst Erinnerung gäbe, dass der Glaube an den Gekreuzigten
uns selig machet. … Solch ein Herz aber soll mitten in einer weißen Rose stehen;
anzuzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Frieden gibt; darum soll die Rose
weiß und nicht rot sein.“
Liebe
Festgemeinde, in all den Jahren mit ihren Krisen vermag der Glaube Trost und
Freude zu schenken. Der Glaube an den Gekreuzigten: Der Gekreuzigte lässt sein
Leben für mich. So wertvoll bin ich für Gott. Gott gibt sein wertvollstes seinen
Sohn, damit ich leben kann, damit mir vergeben werden kann. Darauf gibt es nur
eine Antwort: Nämlich den Glauben: Christus soll in meinem Herzen wohnen. Liebe
Festgemeinde, dieser Glaube vermag auch wieder Trost, Hoffnung und Frieden
geben:
Dieser Glaube ruft zum Vergeben und Verzeihen auf; dass man endlich Frieden
unter einander macht statt gegeneinander zu arbeiten. Zwischen unseren beiden
Kirchen gelingt das mehr und mehr.
Dieser
Glaube sagt mir, dass ich nicht nur das wert bin, was auf meinem Gehaltszettel
steht, sondern dass ich Gott soviel wert bin, dass er seinen Sohn für mich gibt.
Die
Rose liegt auf blauen Grund. Der Farbe des Himmels. In der Zeit der Pest oder
auch der Kriege wussten die Dudenhöfer noch, dass es einen Himmel gibt. Dass es
einen Gott gibt, vor dem sie sich verantworten müssen. Und dass es einen Gott
gibt, der seinen Himmel mit uns teilen will. Sie wussten, dass es nicht nur ein
Heute gibt, an dem man feiert, sondern eine Ewigkeit und einen Ewigen, der auf
uns wartet. Liebe Festgemeinde, vergessen wir das doch nicht. Und fangen wir
darum immer wieder an zu glauben: Auf dass der Gekreuzigte in unser Herz kommt.
Als vor
26 Jahren Dudenhofen mit vier weiteren Orten zur Stadt Rodgau
zusammengeschlossen werden sollte, verlor man ein Stück seiner Selbständigkeit
und auch seines Besitzes. Da gab es gewiß auch Ängste und Vorbehalte. Doch,
liebe Festgemeinde, raten Sie mal, welches Zeichen Eingang in das neue Wappen
der Stadt Rodgau fand: Genau die Luther-Rose. Das Zeichen des Glaubens. Damals
wagte man Neues. Wagen wir im Glauben auch Neues und dann werden wir immer
wieder Grund zum Feiern haben.
Amen.